Geschichte

Kirchheim

Die Gemeinde Kirchheim, 20 km entfernt von Würzburg, ist Grenzgemeinde zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Kirchheim hat zusammen mit dem Ortsteil Gaubüttelbrunn 2200 Einwohner. Der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft (weitere Mitgliedsgemeinde Geroldshausen) ist Kirchheim.

 

Wie aus der Wortendung -heim geschlossen werden kann, ist Kirchheim eine Ortschaft, die in Folge der fränkischen Landnahme im 5. oder 6. Jahrhundert gegründet wurde. Da die neue Ansiedlung sicherlich eine der ersten Kirchen in der Gegend besaß, wurde sie von den umliegenden Dörfern wohl „das Dorf mit der Kirche“ genannt, woraus sich später der Name Kirchheim ableitete.

 

Trotz dieses hohen Alters der Gemeinde datiert die erste gesicherte urkundliche Erwähnung erst aus dem Jahre 1191.

 

Bis zum Ende des 19. Jh. unterschied sich Kirchheim von den Dörfern des Ochsenfurter Gaues nur durch seine besonders steinigen Äcker und die prächtige Ausstattung seiner Kirche (Materno Bossi, letzter Stuckateur der Würzburger Residenz). Etwa 500 Einwohner lebten von der Landwirtschaft oder als Kleinhandwerker. Der anstehende Muschelkalk wurde mit wenigen Ausnahmen nur für örtliche Bauten genutzt.

 

Der Bau der Eisenbahnstrecke Würzburg-Lauda-Osterburken 1868 änderte die Situation grundlegend. Kirchheim bekam eine Bahnhaltestelle und damit die Möglichkeit, seinen Quaderkalk über weite Strecken und in alle Richtungen zu transportieren. Kurz nach 1900 entdeckten große Berliner Steinmetzfirmen die Qualität des Kirchheimer Steines, gründeten hier Zweigwerke und schufen so die Grundlage für die dann nahezu weltweite Nachfrage nach diesem Material.

 

Von da an entwickelte sich Kirchheim schnell von einem Bauerndorf zu einem Arbeiterdorf mit guten Kontakten nach Berlin und anderen Großstädten. Viele Großbauten des Kaiserreiches (Kaufhaus Wertheim, Museumsinsel Berlin) und des Dritten Reiches (Olympiastadion Berlin, Parteitagsgelände Nürnberg) wurden aus Kirchheimer Muschelkalk errichtet.

 

Nach dem 2.Weltkrieg wurde Kirchheim zum Zentrum der deutschen Natursteinindustrie und zu einem Kleinzentrum innerhalb der umliegenden Ortschaften.

 

Kirchheim und Gaubüttelbrunn sind weiterhin hauptsächlich von der Natursteinindustrie und der Landwirtschaft geprägt. Merklich zurückgegangen sind im Zuge der Automatisierung die Arbeitsplätze, heute noch ca. 150 in den Natursteinbetrieben.

 

Kirchheim ist Sitz der Grundschule, hier befindet sich ebenso wie in Gaubüttelbrunn ein Kindergarten, ansässig sind ein prakt. Arzt, ein Zahnarzt und eine Apotheke.

 

1967 wurde die Schulturnhalle errichtet und 1965 das örtl. Freibad gebaut. In den letzten Jahren wurden die örtliche Wasserleitung und die Innerortsstraßen einschl. des Kirchenvorplatzes saniert und der Erweiterungsbau für die Grundschule erstellt. 

 

Gaubüttelbrunn

Am Rande des fruchtbaren Ochsenfurter Gaues liegt malerisch in einem Seitental des Wittigbaches das Dorf Gaubüttelbrunn.

 

Ehemals gehörte das Gebiet zum Badanachgau, das sich zwischen Waldsassengau (Heidingsfeld), Gollachgau (Baldersheim), Goßfeldgau (Goßmannsdorf) und Taubergau (Königshofen) erstreckte. Heute verläuft die Grenze von Bayern und Baden durch den Badanachgau.

 

Gaubüttelbrunn liegt im Muschelkalkgebiet, das vor etwa 200 Millionen Jahren im Triaszeitalter aus einem Binnenmeer, dem sogenannten germanischen Meer entstanden ist. Zahlreiche Muschelkalksteinbrüche sowie Häuser aus Muschelkalkstein und die Kirchheimer Steinindustrie sind ein lebendiges Zeichen dieser Epoche. Hatte man bis vor wenigen Jahren den Eindruck, daß das Natursteinaufkommen weitgehend erschöpft ist, so hat dieser Eindruck offensichtlich getäuscht. Mit den modernen Abbaumaschinen wurden nämlich neue Möglichkeiten des Natursteinabbaus gewonnen.

 

Der Ortsname Gaubüttelbrunn kommt einheitlich erst im 19. Jahrhundert vor. Noch im Jahre 1799 wird es als „Büttelbrunn, auch Gaubüttelbrunn genannt“ aufgeführt, zur Unterscheidung von Waldbüttelbrunn bei Würzburg. Man kann die Bedeutung des Ortsnamens am besten übersetzen: Büttelbrunn = Siedlung an der sprudelnden Quelle.

 

Ausgrabungen aus den letzten Jahrzehnten im Bereich der Allersheimer Höhe und auch im Jahr 1960 beim Hausbau von Josef Haaf neben der Grundschule lassen darauf schließen, daß es vor ca. 4000 bis 5000 Jahren eine Siedlung im Bereich Gaubüttelbrunn gegeben hat. So wurde im Jahr 1986 auf einem Acker von Herbert Kämmerer ein ca. 5000 Jahre altes Steinkistengrab gefunden. Die erste einwandfrei historisch gesicherte urkundliche Erwähnung von Gaubüttelbrunn datiert vom 14.10.986. Damals schenkte Bischof Hugo (Haug) von Würzburg dem Kloster St. Burkard unter anderem Einkünfte zu Butelbrunn. Viele erinnern sich sicherlich noch an die Tausend-Jahr-Feier von Gaubüttelbrunn, die im Jahr 1987 nach Fertigstellung der Hauptstraße durch den Landkreis Würzburg und die Gemeinde Kirchheim feierlich begangen wurde.

 

Seit 1978 ist Gaubüttelbrunn ein Ortsteil von Kirchheim. Gaubüttelbrunn hat derzeit 522 Einwohner.

 

drucken nach oben